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Testbericht: Stativ Berlebach Report 332 – High-Tech im Vintage Look


Ja… ich habe mich in dieses Meisterstück verliebt, allerdings muss ich eingestehen, dass dieses Stativ nicht für jeden geeignet ist. Nachdem ich es in den letzten Monaten unter den unterschiedlichsten Bedingungen ausgiebig getestet habe, möchte ich euch einen Erfahrungsbericht zu diesem ganz besonderen Produkt liefern. Es handelt sich hierbei um ein in Deutschland hergestelltes Holzstativ der kleinen Manufaktur Berlebach aus dem Erzgebirge bei Mulda. Seit fast 120 Jahren verwendet die Traditionsfirma Berlebach bestes Eschenholz aus der Region, welches weltweit aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit, Härte, Zähigkeit und Elastizität bekannt ist. Doch weshalb sollte man so viel Geld für ein Stativ aus Holz ausgeben, wenn man für diesen Preis durchaus ein brauchbares Stativ aus hochmodernen Materialien wie Alu, Basalt oder Karbon bekommen kann?

Dies hängt selbstverständlich vom jeweiligen Einsatzgebiet ab, für einen Wanderurlaub würde ich wahrscheinlich ebenfalls eher zu einem kleinen und kompakten Stativ aus Karbon greifen, da es hier gilt jedes unnötige Gramm zu vermeiden. Wird hingegen eher ein kostengünstiges Allrounder-Stativ benötigt, stellt Alu sicherlich eine gute Wahl dar. Basalt liegt hingegen sowohl preislich, als auch gewichtstechnisch zwischen Alu und Karbon. Neben der Auswahl des Materials gibt es Stative auch noch in der unterschiedlichsten Größen, Bauformen und Ausführungen. Das flexible Vanguard Alta Pro 263 oder Vanguard Abeo Pro 283AGH, das ultraleichte Reisestativ Sirui T-025X Traveler Light und das preislich günstige Einstiegsmodell Rollei C5i sollen hier als Beispiele genügen. Legt ihr die Priorität hingegen auf Stabilität und Standfestigkeit, solltet ihr Holzstative näher unter Betracht ziehen.

Ob das Berlebach Stativ auch für Dich geeignet ist kann ich nicht sagen, da dies davon abhängt was, wie und wo du fotografierst. Je nach Einsatzgebiet gilt es nämlich unterschiedliche Ansprüche an ein Stativ zu stellen. Im Folgenden werde ich jedoch ausschließlich auf das Berlebach Report 332 eingehen, da es für mich im Bereich der Architekturfotografie die beste Wahl darstellt. Wobei ich im Bereich der Landschaftsfotografie ähnliche Ansprüche an ein Stativ stellen würde.

Ich persönlich führe im Bereich der Architekturfotografie viele Langzeitbelichtungen durch. Seit ich auf das Berlebach Report 332 umgestiegen bin, wirken meine Bilder ein Ticken schärfer. Doch warum ist das so? Die Stative von Berlebach werden aus Eschenholz gefertigt. Diesem Material wird eine außerordentlich gute Schwingungsdämpfung nachgesagt, welche selbst die des Karbons bei weitem übertrifft. Holzstative gelten als besonders Schwingungsfest und Vibrationsarm. Sie vermögen es kleinste Vibrationen zu absorbieren und schwache Erschütterungen intern abzubauen. Im Gegensatz dazu können Alu Stative bereits durch das Aufklappen des Spiegels oder durch den örtlichen Straßenverkehr in leichte Vibration versetzt werden, Letzterer führt insbesondere bei der Architekturfotografie oft zu Problemen. Zugegeben, im Weitwinkelbereich ist der Effekt der Bewegungsunschärfe durch Mikrovibrationen vernachlässigbar gering. Bei Langzeitbelichtungen mit Brennweiten von mehr als 30, 50 oder sogar 100 mm macht sich dieser Effekt hingegen langsam bemerkbar, dies gilt insbesondere für hochauflösende Kameras. Das ist bei Holzstativen, aufgrund ihrer Materialeigenschaften, nicht der Fall und es können somit unter anspruchsvollsten Bedingungen schärfere Bilder erzielt werden, da Vibrationen nicht weitergeleitet werden. Eine weitere Eigenschaft von Holz ist die im Vergleich zu Aluminium vernachlässigbar geringe thermische Ausdehnung:

Während eines Wanderurlaubes im Atlasgebirge hatte ich Langzeitbelichtungen von einem Alu Stativ aus durchgeführt; dabei handelte es sich um das Modell Sirui T‑2004X. Zunächst stand das Stativ im kalten Wasser eines Baches. Anschließend führte ich eine Langzeitbelichtung von mehreren Minuten außerhalb des Wassers durch. Als erstes machte ich ein Testbild (linkes Bild) mit nur einem ND-Filter, dessen Belichtungszeit 5 sec entsprach. Das Eigentliche Bild sollte mit zwei ND-Filtern und einer Belichtungszeit von etwas mehr als 5min durchgeführt werden (rechtes Bild). Wieder Zuhause angekommen bemerkte ich in der 100% Ansicht des Fotos eine vertikale Unschärfe. Durch die thermische Ausdehnung, während der langen Belichtungszeit, hatte sich das Stativ leicht gehoben. Mit einem Holzstativ wäre mir das nicht passiert… Aus den oben genannten Gründen kommen auch  in der Vermessungstechnik oder Astronomie überwiegend Holzstative zum Einsatz.

Holzstative sind jedoch ein wenig schwerer als die meisten Alu Stative, erhalten durch ihr höheres Gewicht jedoch einen unglaublich festen Halt und sind selbst im Wind extrem standfest.

Das Berlebach Report 332 ist in sechs verschiedenen Farben erhältlich. Die spezielle Verarbeitung des Holzes, sowie die mehrschichtige Schutzvergütung machen das Stativ sehr witterungsbeständig und wasserfest, weshalb sich Berlebach-Stative insbesondere unter Naturfotografen großer Beliebtheit erfreuen. Auf Reisen habe ich mein Berlebach Stativ schon ordentlich mit Sand und Salzwasser gequält, dennoch sieht es weiterhin neuwertig aus. Eine derartige Resistenz gegenüber harten Umwelteinflüssen, hätte ich von einem Holzstativ nicht erwartet.

Mit einem Gewicht von 3,2 kg (ohne Stativkopf), sowie einem Packmaß von 89 cm ist es nicht gerade handlich, aber noch durchaus im Rahmen des Tragbaren. Für Langzeitaufnahmen und extreme Perspektiven ist dies das Stativ meiner Wahl!

Im fotografischen Bereich bietet Berlebach, neben Spezialstativen, die Modellreihen UNI, Report und Mini an, welche sich in ihrer Arbeitshöhe, der Größe und im Gewicht unterscheiden. Die Report Reihe liegt im mittleren Segment. Das Berlebachsystem beruht auf flexiblen Modulbausätzen. Somit lassen sich für das Stativ Report 332 zehn verschieden Moduleinsätze und sonstiges Zubehör, wie z.B. schwenkbare Querarme, Nodalpunktadapter, Teleschwenker, neigbare Mittelsäulen, Halterungen und Klemmen, etc., verwenden. Das Modul 0 ist das günstigste, damit lässt sich eine Minimalhöhe von unglaublichen 4 cm erreichen. Eine Nivellierkugel ist hier allerdings nicht vorhanden. Das Modul 4 besteht hingegen aus einer bis zu 90 cm langen und neigbaren Mittelsäule, wodurch sich die Maximalhöhe entsprechend auf bis zu 2,3 m erweitern lässt.

Standardmäßig wird jedoch das Modul 3 mitgeliefert: Da ich gerne aus einer sehr tiefen Perspektive fotografiere , stellt der große Arbeitsbereich des Report 332 eines der Hauptargumente dar, welche zu meiner Kaufentscheidung geführt haben. Die Minimalhöhe liegt mit dem Modul 3 bei sehr niedrigen 8 cm, gleichzeitig lässt sich die Kamera selbst bei dieser Höhe perfekt nivellieren. Die Maximalhöhe beträgt 143 cm (Mit Stativkopf ca. 15 cm mehr), welches für meine Zwecke mehr als ausreichend ist. Die Belastbarkeit des Statives ist, selbst bei komplett gespreizten Beinen, mit 12 kg angegeben.

Um 30° geneigte Nivellierkugel des Modul 3 von Berlebach

Vom Report 332 werden zwei Varianten mit unterschiedlichen Befestigungsschrauben angeboten. Die Variante mit der 1/4" Schraube ermöglicht die direkte Befestigung einer Spiegelreflexkamera an die Modulplatte. Das Modul 3 ist vom Prinzip her ein Kugelkopf, allerdings ist der mögliche Neigungswinkel von 30° relativ beschränkt (rechtes Bild) und dient eigentlich eher der Nivellierung. Die Variante mit der 3/8" Schraube ist hingegen für die meisten Stativköpfe kompatibel, welche sich zusätzlich auf das eigentliche Stativ montieren lassen. Ich habe mich für die Letztere Variante entschieden, da ich auch Hochformataufnahmen machen möchte. Mein Berlebach Report 332 verwende ich in Kombination mit dem 3-Wege-Getriebeneiger Manfrotto 410 Junior (Zum Testbericht). Ich habe mich aufgrund der robusten und kompakten Bauform für diesen Stativkopf entschieden. Mit diesem Getriebeneiger lässt sich der Bildausschnitt viel exakter einstellen als mit jedem normalen 3-Wege-Neiger oder Kugelkopf, da sowohl die komfortable Schnelleinstellung, als auch die hochpräzise Feinjustierung mittels Getriebeübersetzung über drei separate Achsen erfolgen und die Kamera zudem nicht nach vorne kippen kann.

Um das Stativ perfekt auszurichten sind zwei Dosenlibellen am Stativ angebracht. Eine Libelle befindet sich am oberen Teil des Statives und ist für die grobe Ausrichtung gedacht. Sollte das Stativ nicht perfekt gerade stehen, befindet sich an der Modulplatte des Modul 3 die zweite Libelle, welche man, bei der Feinjustierung mithilfe der Nivellierkugel, zur Kontrolle hinzuziehen kann.

Holzstativ Berlebach Report 332 mit Modul 3

Die Stativbeine sind relativ breit und wirken sehr stabil. Sie lassen sich unabhängig voneinander stufenlos spreizen und rasten bei 20, 40, 60, 80 oder 100° ein. Des Weiteren gibt es nur einen Beinauszug, welches positiv zur Standfestigkeit des Statives beiträgt. Mittels einer Metallklammer werden die Beine arretiert, diese hält unter allen erdenklichen Bedingungen bombenfest. Am Beinauszug ist darüber hinaus eine Zentimeterskala angebracht, an welcher ersichtlich ist, wie weit die Beine herausgezogen sind. An den Beinen sind kleine Ösen vorhanden, an denen man Zubehör, wie z.B. eine Ablage, einhängen kann. Ein weiterer schöner Nebeneffekt von Holz ist, dass die Hände unter winterlichen Verhältnissen nicht am Stativ festfrieren, wenn man dieses greift. Holz isoliert ziemlich gut und fühlt sich immer angenehm warm an.

Die Beine des Berlebach Report 332 lassen sich bei Bedarf um bis zu 100° spreizen
An den Beinen des Berlebach Statives ist eine Zentimeterskala angebracht.

Die Füße sind aus Metall mit ausschraubbaren Gummikappen, welche bei Bedarf Spikes offenlegen. Somit kann man Je nach Untergrund entscheiden, ob man das Stativ auf die Gummifüße stellen möchte, oder ob dornenartige Spikes evtl. bei weichem Untergrund besser geeignet sein könnten. Das Ganze ist selbstverständlich so ausgeführt, dass es nicht möglich ist die Gummifüße zu verlieren.

Zusammen mit dem Stativkopf von Manfrotto bringt das Berlebach Report 322 ganze 4,4 kg auf die Waage. Somit erhält man zwar nicht das leichteste, dafür aber ein durchaus stabiles und wackelfreies Stativ, welches in der Lage ist kleine Vibrationen in sich zu absorbieren und die Kamera besser zu stabilisieren als es klassische Stative vermögen. Die Verarbeitung ist erstklassig und die Mechanik wirkt sehr langlebig. Dieses in Deutschland handgefertigte High-Tech Produkt hat jedoch seinen Preis. Derzeit ist es für 276€ zu haben. Mit Stativkopf sollte man, je nachdem für welches Modell man sich hier entscheidet, für dieses Bundle ca. 400 bis 500€ einplanen. Dafür bekommt man allerdings ein hochmodernes Qualitätsprodukt im Retro Look, welches über viele Jahre verlässlich und präzise arbeiten wird. Das Berlebach Report 332 ist meiner Meinung nach das beste alltagstaugliche Stativ für Langzeitbelichtungen und lange Brennweiten, welches selbst extremen Umweltbedingungen standhält! In puncto Stabilität und somit Bildqualität ist mir kein besseres Stativ bekannt. Auch das Baukastenprinzip mit verschiedenen Moduleinsätzen und Zubehörteilen ist genial. Ich persönlich möchte nie wieder auf ein Holzstativ verzichten müssen.

Das Berlebach Report 332 Stativ könnt ihr hier bestellen. (Link)

 

Anbei nochmal eine kleine Übersicht:

Eines muss ich zum Schluss noch loswerden. Dieser Testbericht stellt lediglich meine Meinung dar, welcher auf meinen ganz persönlichen Erfahrungen beruht. Und diese hängen wiederum mit meiner Art der Fotografie zusammen. Diese geht über die des durchschnittlichen Fotografen hinaus. Es gibt nämlich nicht besonders viele Leute die eine Langzeitbelichtung von 10 Minuten mit einem 135 mm Objektiv durchführen… Aus diesem Grunde ist für mich ein professionelles und hochwertiges Stativ mit guten Schwingungsdämpfungseigenschaften von essentieller Bedeutung. Falls Ihr ebenfalls Langzeitbelichtungen liebt und gerne mit langen Brennweiten arbeitet, oder euch diesbezüglich vertiefen möchtet, kann ich euch das Berlebach Report 332 nur ans Herz legen. Allerdings wird der durchschnittliche Hobbyfotograf mit einem 150€-Alustativ wahrscheinlich glücklicher werden. Schließlich können das vergleichsweise höhere Gewicht, sowie das Packmaß, einen Nachteil darstellen. Da es kein Stativ gibt, welches alle Bedürfnisse befriedigen kann, ergibt es für die meisten Fotografen auch Sinn sich mindestens zwei Stative zu kaufen. Sodass man ein kleines leichtes und flexibles Reisestativ für unterwegs hat, sowie ein großes und robustes Arbeitstier für anspruchsvolle Aufgaben.

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